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15.08.2022

Energiepreise: die neuen Gasumlagen.

Mit Blick auf die Gas-Versorgungssicherheit hat die Bundesregierung ein Gesetz beschlossen, das konkrete Mindestfüllstände der Gasspeicher an bestimmten Stichtagen vorgibt. Dies soll dazu beitragen, dass im Winter auch bei dem Ausfall von Gasimporten die Gasversorgung in Deutschland gesichert ist. Die durch die Bundesregierung beschlossenen Notfallmaßnahmen sollen sicherstellen, dass Energieversorger auch bei einem starken Preisanstieg noch Gas kaufen und ihre Kunden beliefern können. Dies ist wichtig, weil durch den Wegfall russischer Gasmengen die vorgelagerten Importeure, von denen auch die evb ihr Gas bezieht, die nun fehlenden Erdgasmengen zu deutlich höheren Kosten ersatzweise beschaffen müssen. Für den aktuellen Krisenfall gibt die Bundesregierung die Weitergabe dieser Kosten vor, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.
Die Weitergabe dieser Kosten erfolgt mittels zwei neu eingeführter Umlagen: die Gasspeicherumlage nach § 35e Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und die Gas-Sicherungsumlage (Gasbeschaffungsumlage) nach § 26 Energiesicherungsgesetz (EnSiG).

Aus diesem Grund passen wir die Erdgaspreise zum 1. Oktober 2022 an. Für Sie bedeutet das leider, dass sich Ihr Erdgaspreis deutlich erhöht.

Welche neuen Umlagen wurden von der Bundesregierung eingeführt?

Gasspeicherumlage nach § 35e Energiewirtschaftsgesetz (EnWG)

Um genügend Gas für den Winter vorrätig zu haben, werden aktuell die deutschen Erdgasspeicher mit Hochdruck gefüllt. Die Kosten für die Befüllung der Speicher werden auf alle Gaskunden umgelegt. Dafür wurde die neue Gasspeicherumlage nach § 35e EnWG zum 1. Oktober 2022 eingeführt. Die Höhe der Gasspeicherumlage beträgt 0,059 Cent pro Kilowattstunde (netto) bzw. 0,07 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Der Mechanismus ist zeitlich bis zum 31. März 2025 befristet. Die Umlage kann alle sechs Monate angepasst werden. Eine Ausnahme soll für die erste und letzte Umlagenperiode gelten, die jeweils drei Monate betragen soll.

 

Gas-Sicherungsumlage (Gasbeschaffungsumlage) nach § 26 Energiesicherungsgesetz (EnSiG)

Russland liefert weniger Gas, deshalb müssen viele Gasimporteure, von denen auch die evb ihr Gas bezieht, kurzfristig teuren Ersatz beschaffen. Damit die Unternehmen zahlungsfähig bleiben und die Versorgung weiter gesichert ist, führt die Bundesregierung zum 1. Oktober 2022 eine neue Umlage nach der Verordnung nach § 26 EnSiG in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde (netto) bzw. 2,88 Cent pro Kilowattstunde (brutto) ein. Der Mechanismus ist zeitlich bis zum 1. April 2024 befristet. Die Umlage kann alle drei Monate angepasst werden.

 

Was soll die befristete Gas-Sicherungsumlage (Gasbeschaffungsumlage) konkret bewirken?

Um die Versorgungssicherheit im kommenden Herbst und Winter zu gewährleisten, müssen alle Marktmechanismen des Gasmarkts sowie die Lieferketten so lange wie möglich aufrechterhalten werden, um Insolvenzen von Gashändlern und Dominoeffekte in der Lieferkette der Energiewirtschaft zu verhindern. Das ist das übergreifende Ziel des § 26 EnSiG.

Zu diesem Zweck schafft die Bundesregierung die Möglichkeit, dass die Gasimporteure ab Oktober 2022 für die zusätzlichen Kosten zur Beschaffung von Ersatzgas einen finanziellen Ausgleich erhalten können, und das für einen begrenzten Zeitraum. Die Importeure werden auch zur Verantwortung gezogen und müssen bis Ende September 2022 die Verluste aus der Ersatzbeschaffung zu 100 % selbst tragen.

Das war der Bundesregierung besonders wichtig, weil auch das zu einer fairen Verteilung gehört. Erst für ausgefallene Lieferungen ab dem 01.10.2022 können sie die Differenz aus dem Bezugspreis für die ausgefallenen Liefermengen und den Kosten der ersatzbeschafften Mengen bis zu 90 % erstattet bekommen.

Um den Ausgleich zu finanzieren, wird ein Großteil der Zusatzkosten für das Ersatzgas von Oktober an über eine Umlage auf möglichst viele Schultern verteilt.

 

Gas-Bilanzierungsumlage nach Artikel 30 VO (EU) 312/2014, § 29 Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV)

Darüber hinaus ist die Gas-Bilanzierungsumlage, die seit einigen Jahren mit 0,0 Ct/kWh ausgewiesen wurde, zum 1. Oktober 2022 neu bewertet worden. Die Gas-Bilanzierungsumlage wird jährlich zum 01.10. angepasst und ist mit 0,57 Cent pro Kilowattstunde (netto) bzw. 0,68 Cent pro Kilowattstunde (brutto) eingepreist worden. Die Gas-Bilanzierungsumlage dient der Deckung des Fehlbetrags aus dem Einsatz von Regel- Und Ausgleichsenergie (Netzstabilität).

 

Was bedeuten die Erhöhungen der Umlagen konkret?

Für einen Durchschnittshaushalt im „watt.burg erdgas“ mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr erhöht sich der Arbeitspreis zum 1. Oktober 2022 von 8,85 Cent pro Kilowattstunde (brutto) um 3,63 Cent pro Kilowattstunde (brutto) auf 12,48 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Auf den Monat gerechnet bedeutet dies Mehrkosten in Höhe von 60,50 EUR.

 

Wann werden die Umlagen erstmals auf der Rechnung des Kunden sichtbar?

Die Umlagen gelten ab dem 01.10.2022. In der Jahresverbrauchsabrechnung 2022, die Ende Februar 2023 an unsere Kunden versendet wird, sind diese Umlagen zum ersten Mal auf der Rechnung ausgewiesen. Die Abschläge für die Gaslieferung werden den aktuellen Preisen für das letzte Quartal 2022 angepasst. Damit erhalten alle unsere Kunden eine um die Umlagen erhöhte Abschlagsänderungsmitteilung spätestens im September 2022. Dies ist notwendig, damit Sie mit der Jahresrechnung keine zu hohe Nachzahlungsforderung erhalten.

 

Weshalb ist eine befristete Umlage zur Sicherung der Wärme- und Energieversorgung erforderlich?

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten drastisch verschärft. Russland hat seit Mitte Juni seine Gasimportmengen nach Deutschland in unberechenbarer Weise reduziert, damit eine künstliche Energieknappheit geschaffen und die Preise in die Höhe getrieben werden. Dieser externe Schock trifft Deutschland, das bislang stark von günstigem Gas aus Russland abhängig war, besonders. Gas ist mithin ein knappes und teures Gut. Viele Gaslieferungen aus Russland, die bisher vertraglich zugesichert waren, fallen weg.

Die betroffenen Gasimporteure müssen diese Mengen nun ersetzen bzw. neu einkaufen, um ihren Lieferpflichten gegenüber Energieversorgungsunternehmen wie der evb nachzukommen – allerdings zu wesentlich höheren Kosten.

Zunehmend fehlen den betroffenen Gasimporten dazu die Mittel, weil sie aufgrund von vertraglichen Regeln die höheren Preise zum jetzigen Zeitpunkt nicht an ihre Kunden weitergeben können.

 

Werden die Gaskunden auch entlastet?

Die Bundesregierung hat angesichts der hohen Preise bereits zwei Entlastungspakete auf den Weg gebracht. Jetzt werden weitere, zielgenaue Entlastungen folgen. Dabei ist es besonders wichtig, jene zu unterstützen, die wenig Geld haben und daher besonders unter den Preissteigerungen leiden. Zu den bislang vereinbarten, neuen Entlastungen gehört eine Reform des Wohngeldes und eine Einführung des Bürgergelds. Außerdem sind weitere Maßnahmen in der Bundesregierung im Gespräch.

 

Wie sollen Unternehmen finanziell entlastet werden?

Die Bundesregierung hat sich am 22.07.2022 darauf verständigt, den Schutzschirm für Unternehmen, die wegen der hohen Energiepreise in Schwierigkeiten geraten sind, im Einklang mit dem EU-Beihilferecht zu verlängern. Dazu zählen die

  • Kreditlinien der KfW

  • die Bürgschaftsprogramme

  • die Zuschüsse für besonders energieintensive Unternehmen sowie

  • staatliche Eigenkapitalhilfen für systemrelevante Unternehmen.

 

Diese Arbeiten an der Verlängerung des Schutzschirms laufen aktuell.

 

Was können Sie tun, um Ihre Energierechnung zu vermindern?

Jeder Kunde kann hier durch Einspar- und Effizienzmaßnahmen einen Beitrag leisten: vom Industrieunternehmen bis zum einzelnen Bürger.

evb hat für Sie hier Tipps und Tricks zusammengestellt, wie Sie schnell und einfach im Alltag Energie sparen können oder Maßnahmen, die sich im Haus oder der Wohnung mit überschaubarem Aufwand umsetzen lassen.

 

Bundesminister Habeck kündigte am 15.08.2022 anlässlich der Veröffentlichung der Umlage Entlastungen in der tagesgleichen Pressemitteilung an.

 

Unter folgenden Links finden Sie weitere tagesaktuelle Informationen zur Lage:

 

Aktueller Tagesbericht der Bundesnetzagentur

Szenarien der Bundesnetzagentur zur Gasversorgung im Winter 2022/23